Warum die 10. Tierbefreiungs-Norddemo diesmal einen anderen Charakter hat

Die Entscheidung, eine andere Aktionsform als die der herkömmlichen Demonstration auszuprobieren, entstand aus der Überlegung heraus, ob diese bisherige für die Tierbefreiungsbewegung typische Aktionsform noch angemessen und sinnvoll ist.

Innerhalb der Tierbefreiungsbewegung kamen in den letzten Jahren von einigen AktivistInnen Zweifel und Kritik bez. der – meist nach immer gleichem Schema ablaufenden – Großdemos auf. Dies führte unter anderem dazu, dass zunehmend auch andere, kreative Aktionsformen in den Ablauf einer solchen Demo integriert wurden, so z.B. das sog. Die-In oder Überidentifikationsaktionen.

    Als Kritikpunkte wurden unter anderem die folgenden Problematiken ausgemacht:

Das Erscheinungsbild der Demonstrationen wirkt mitunter wenig einladend bis abschreckend, u.a. da viele TeilnehmerInnen stark auf die subkulturellen Codes, Darstellungsformen und Praktiken der modernen autonomen Szene (schwarzer Block, „Pseudomilitanz“) setzen.
Für die Tierbefreiungsbewegung sollte es wie für jede andere soziale Bewegung – jedoch gelten, eigene Symbol- und Kommunikationsformen zu entwickeln. Auch die oft skandierten Demosprüche sind oft unverständlich, inhaltslos oder dienen vielmehr einer Kommunikation innerhalb der eigenen „Szene“, bewegen sich also nur in einem selbstreferenziellen Raum, bewegen sich also nur in einem selbstreferenziellen Raum, anstatt sich nach außen zu richten[1]. Ähnliches gilt für die Gestaltung einiger Transparente sowie deren Parolen.

Auf diese Weise entwickelten sich einige Großdemonstrationen der Tierbefreiungsbewegung mehr zu sozialen Events der Repräsentation und Selbstinszenierung, als dass die so wichtigen Inhalte und Anliegen der Bewegung vermittelt wurden.

Bei einer Demonstration gegen die gesellschaftliche Übereinkunft der Legitimität von Tierausbeutung, welche die allgemeine Bevölkerung adressiert, kann jedoch nicht ausschließlich mit konfrontativen und sich abgrenzenden sowie zumal meist schlichtweg inhaltslosen Mitteln gearbeitet werden, sondern Ziel muss auch stets sein, in eine kommunikative Auseinandersetzung mit der Gesellschaft zu treten. Dies jedoch, ohne dabei in populistische und reformistische Darstellungsformen und Positionen abzugleiten.

Da viele Großdemonstrationen der Tierbefreiungsbewegung sich zumeist auf Themen fokussieren, die bereits sehr stark vom Tierschutzdiskurs besetzt sind (Pelz, Tierversuche) kann sich die Tierbefreiungsbewegung oftmals in der öffentlichen und medialen Repräsentation nicht als eine Bewegung darstellen, die von den Positionen, Inhalten und theoretischen Konzepten des Tierschutzes in fundamentaler Weise abzugrenzen ist.

Geleitet von der Frage, wie Menschen für unser Anliegen der Befreiung der Tiere sensibilisiert werden können, folgt die 10. Tierbefreiungs-Norddemo nun erstmals einem anderen Schema, bei dem das Konzept der Demonstration als solches jedoch nicht aufgegeben werden soll. Vielmehr werden an verschiedenen Orten innerhalb der Innenstadt Kiels kleinere Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden, die jeweils bestimmte Formen der Ausbeutung von Tieren thematisieren und kritisieren. Neben den einzelnen Demonstrationen soll als zentralen Anlaufpunkt einen Markt mit Infoständen geben, sowie auch kleinere Aktionen zwischen den Kundgebungen durchgeführt werden. Hier ist auch die Kreativität der TeilnehmerInnen gefragt.

Uns ist dabei wichtig zu betonen, dass es nicht unsere Intention ist, die herkömmlichen Demonstrationen der Tierbefreiungsbewegung zu diskreditieren. Wir möchten lediglich eine neue Möglichkeit ausprobieren, um die angesprochenen Problematiken zu umgehen.

Wir hoffen und glauben, mit dem Tierbefreiungs-Aktionstag in Kiel neue, effektive Ideen für die Befreiung der Tiere umzusetzen und hoffen auf Eure rege und aktive Teilnahme. Das Konzept des Aktionstages steht und fällt mit dem aktiven Engagement der AktivistInnen. Wir freuen uns auf einen bunten, vielfältigen, engagierten kämpferischen und effektiven Aktionstag mit euch!

-------------------------
[1] („Kein Gott, Kein Staat, Kein Fleischsalat“ – „One Solution – Reeeeevolution“ oder „Was will ich – Was willst du? Tofu und Salat dazu“
„Wir sind hier olé olé “ “ Antifa und Antispe“)